Meine Tochter ist kurz nach der Geburt gestorben – wie ich lernte, wieder zu leben

Die Wickelkommode war aufgestellt. Der Kinderwagen stand vor der Tür. Doch das Kind unserer Autorin kam zur Welt und fing nicht an zu atmen. Über das Leben nach dem Tod. 

Ich schaue in den Spiegel. Mein Mund ist weit aufgerissen. Ich schreie. Aber ich höre meinen Schrei nicht. Alles ist still. Wie in einem Stummfilm. Ich sehe, dass mir alle Zähne fehlen. Ein schrecklicher Anblick. Dann wache ich auf. Es war nur ein Traum. Ein Traum, der meine Gefühlswelt sehr gut beschreibt. Ich öffne die Augen. Die Realität fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Eigentlich sollte mein Kind neben mir liegen. Meine Tochter. Vor ein paar Stunden habe ich sie geboren. Doch da ist nichts. Der Platz ist leer. Sie ist tot.

Ein Schmerz steigt in mir hoch, von dem ich nicht wusste, dass es ihn gibt. Ein Schmerz, der so existenziell und erbarmungslos ist, dass man ihn kaum aushält. Ein Schmerz, der mich daran zweifeln lässt, ob ich das alles ertragen kann. 

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TextKatharina Hoch
FotografieKatharina Hoch
MediumStern Plus
Datum2020
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